Die große Fotoschule – Digitale Fotopraxis

Die große Fotoschule - Digitale Fotopraxis

Ein berühmter Werbespruch der Leica AG lautete: „Wer sehen kann, kann auch fotografieren. Sehen lernen kann allerdings lange dauern.“

In diesem Zitat steckt sehr viel Wahrheit. Beim Fotografieren muss man drei Dinge lernen. Zum einen muss man die technische und zum anderen die künstlerische Seite der Fotografie beherrschen. Dazwischen liegt ein Bereich, der beides miteinander verbindet. Das vorliegende Buch „Die große Fotoschule – Digitale Fotopraxis“ von Christian Westphalen versucht genau hier die Grundlagen für einen professionellen Umgang zu legen.

Der Einstieg in die Thematik beginnt mit den technischen Grundlagen der Fotografie. Es geht um das Bild, die Kamera und das Objektiv. Die einzelnen Kapitel beginnen mit einem Überblick und werden dann zunehmend spezieller. Die Themen der Kapitel werden in einer ausreichenden Breite und einer auch für Laien verständlichen Tiefe erläutert.

Nach dem die Fragen rund um die Hardware der Fotografie geklärt sind, geht es weiter mit den verschiedenen Einstellungen und den Parametern, die ein Foto zu etwas Besonderem werden lassen.  Das sind – wie schon in der klassischen Fotografie – Schärfe, Licht, Belichtung und Blitz. In diesen Bereichen kommen sich die Physik und die Kunst langsam näher. Hier wird die Basis geschaffen, damit der Bildautor versteht, welche physikalischen Phänomene ein schönes Foto ausmachen.

Nach diesen Kapiteln geht es dann um die zentralen künstlerischen Aspekte der Fotografie. Die Bildgestaltung ist entscheidend, um eine Geschichte mit dem Bild zu erzählen und eine Stimmung zu transportieren. Hier werden die wahrnehmungspsychologischen Grundlagen erläutert, die dann auch den Rahmen aller weiteren Betrachtungen liefern. Danach werden zwei ganze Kapitel dem Thema Farbe und Schwarzweiß gewidmet. Das vorletzte Kapitel beschäftigt sich mit den Motiven, die den Inhalt eines Fotos ausmachen. Es werden Beispiele aus den verschiedenen Sparten der Fotografie gezeigt und man bekommt Lust selbst loszulegen. Doch man sollte sich noch die Zeit für das letzte Kapitel nehmen – die Bildbearbeitung.

Mit der digitalen Fotografie hat man heute die Möglichkeit das Foto nachträglich zu bearbeiten. Hierzu benötigt man spezielle Software und spezielle Kenntnisse. Hier wird ein theoretisches Wissen über Fotografien als Datenstrukturen gegeben. Danach werden Möglichkeiten und Funktionen der Bildbearbeitung mit Photoshop erläutert. Für einen schnellen Einstig interessierter Leser ist dieses Kapitel gut geeignet.

Insgesamt eignet sich dieses Buch für Einsteiger und Interessierte, die die Digitale Fotografie ein wenig professioneller angehen möchten. Die wichtigsten Fragen rund um dieses Thema werden geklärt und es wird die Grundlage für ein tieferes Verständnis geschaffen. Das Layout des Buchs ist hervorragend und mit vielen Farbfotos illustriert. Die beiliegende DVD enthält weitere interessante Addons, die die Arbeit mit dem Buch wunderbar ergänzen.

Agile Testing – Der agile Weg zur Qualität

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Die agile Softwareentwicklung ist eine Revolution. Nach vielen fehgeschlagenen Projekten mit teilweise heftigen Folgen, entschied man die Prozesse der Softwareentwicklung neu zu gestalten. Im Winter 2001 entstand so das Agile Maifest. Bei früheren Prozessen bekam immer das Projekt und dessen Management  die Aufmerksamkeit des Teams. Das sollte sich von nun an ändern. Das Produkt wurde nun zum Mittelpunkt aller Bemühungen gemacht. Die Ansichten dieser Softwareentwickler hatten Erfolg und wurden im folgenden zum inoffiziellen Standard der Branche.

Im Zentrum dieser Form der Softwareentwicklung stehen inkrementelle Zyklen. Man beginnt ohne große Planungsphase mit der Entwicklung und versucht dem Kunden möglichst schnell ein Produkt in die Hand zu geben, an dem er seine Anforderungen schärfen kann. Der Planungsprozess steht nun nicht mehr am Anfang des Projekts, sondern ist ein Unterstützungsprozess über alle Entwicklungsstadien hinweg.

In diesen Kontext ist auch das Testen eingebunden. Ständig wird das entstehende Produkt getestet. Für diese neue Form des Entwickelns musste sich eine neue Form des Testens etablieren. Das Testen wird nun in den größeren Zusammenhang des Qualitätsmanagement eingebettet. Der Tester ist der disziplinierende Teil bei der doch sehr kreativen Arbeit des Softwareentwickelns. Der agile Tester ist fest in das Entwicklungsteam integriert. Genau um diese Person und ihre Arbeit geht es in dem vorliegenden Buch „Agile Testing – Der agile Weg zur Qualität“ von  Manfred Baumgartner, Martin Klonk, Helmut Pichler, Richard Seidl, Siegfried Tanczos.

Im ersten Kapitel dieses Buchs geht es um die agile Methodik im allgemeinen.  Das Thema des agilen Testens wird in einen größeren Kontext gesetzt, der die gesamten Veränderungen in der IT-Projektlandschaft aufzeigt. Das nächste Kapitel geht dann näher auf das Vorgehensmodell und die Rolle des Qualitätsmanagements darin ein. Welche Rolle spielt der Tester? Wie muss sich das Team in Sachen Qualität verhalten? Welche Schritte lassen sich automatisieren? Diese Fragen stehen im Zentrum dieses Kapitels. Neben Scrum hat hier auch Kanban einen festen Platz. Die Praxisbeispiel an dieser Stelle sind gut. Das dritte Kapitel zeigt , wie ein solches agiles Testing organisiert werden muss. Im vierten Kapitel geht es dann um die Rolle des Testers. Es geht um die Eigenschaften, die ein Tester mitbringen sollte und wer sich besonders für diese Aufgaben eignet. Im fünften Kapitel werden die Methoden, Techniken und die Organisation beschrieben. Das sechste Kapitel ist eines der wichtigsten – wird heute allzu oft vernachlässigt. Es geht um die Dokumentation. Hier erfährt man, welche Dokumente wichtig sind und wie man die Erstellung dieser Dokumente managt. Die Kapitel 7 und 8 sind mit die wichtigste Kapitel des Buchs. In ihnen geht es im Detail und mit Beispielen um die Testautomation. Im letzten Kapitel geht es um die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter und insbesondere des Testers.

Insgesamt handelt es sich um ein sehr gutes Buch. Es ist gut geschrieben und behandelt das Thema „Agile Testing“ in einer detaillierten Art und Weise. Für Tester, Manager und IT-Verantwortliche eine sehr interessante und aufschlussreiche Lektüre. Jedoch gibt es auch hier Schattenseiten. Die agilen Methoden werden zunehmend zu einer Ersatzreligion für jene, die den alten dogmatischen Projektmethoden nachtrauern. Sie beginnen damit die agilen Entwicklungsmethoden ebenfalls zu dogmatisch auszulegen. Dieses Buch könnte diese Entwicklung befördern, weil es gerade die disziplinierenden Themen der modernen Softwareentwicklung beschreibt und zu wenig auf die eigentlichen Kerngedanken des – am Anfang erwähnten – Manifests eingeht. In diesem Zuge wird die Rolle des Testers auch als zu bedeutend ausgelegt. Er scheint das wichtigste Rädchen im Getriebe zu sein. Hier besteht ebenfalls die Gefahr einer Hierarchisierung des Entwicklungsteams. Tester und Entwickler würden in diesem Fall nicht mehr auf Augenhöhe miteinander arbeiten. Die Autoren sind bemüht auf diese Gefahr hinzuweisen, aber aus meiner Sicht hätte das noch deutlicher gesagt werden müssen. Fazit: Für Tester und IT-Verantwortliche unbedingt lesenswert.

C++ für Spieleprogrammierer

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Das Ziel vieler Menschen, die das Entwickeln von Software erlernen möchten, ist die Spieleprogrammierung. Das erschaffen virtueller Welten scheint vielen attraktiver als eine Buchhaltungssoftware. Genau aus diesem Grund ist die Spieleentwicklung eine sehr mächtige Motivation, wenn jemand das Programmierhandwerk erlernen möchte. Heiko Kalista macht sich mit dem Buch „C++ für Spieleprogrammierer“ genau diese Motivation zunutze.

Bei  „C++ für Spieleprogrammierer“ handelt es sich um eine Einführung in die C++ Entwicklung von Beginn an. Es werden keine Vorkenntnisse verlangt und das Ziel ist am Ende ein einfaches Spiel selbst entwickelt und in seinem programmiertechnischen Aufbau verstanden zu haben. Entwickler, die schon solide Grundkenntnisse in C++ mitbringen, könnten von diesem Buch ein wenig enttäuscht werden. Zum Beginn werden die einfachen Befehle der Programmiersprache im Detail erläutert. Schleifen, Bedingungen, Klassen, Objekte, Arithmetische Operationen, Datenstrukturen, etc. bilden die Grundlage eines jeden Programms und nehmen naturgemäß auch hier einen großen Raum ein. Kein Spiel und keine Buchhaltungssoftware kommt ohne diese Grundlage aus. Damit ist der größte Teil des Buches nicht speziell für die Spieleentwicklung reserviert, aber es wird die Basis für die weitere Behandlung des Themas gelegt. Die Beispiele und Aufgaben sind sehr gut gewählt, verständlich und werden vom Autor gut erklärt. Die Reihenfolge der einzelnen Themen ist anders als in den meisten Einsteigerbüchern, aber das ist in diesem Fall nicht negativ. Das Verständnis leidet nicht darunter. Besonders gut, finde ich die Aufgaben, in denen häufe Fehler bei der Entwicklung behandelt werden. Dies ist didaktisch besonders klug gewählt. Die Erklärung von Zeigern und Referenzen sind außergewöhnlich gut. Selten gibt es so anschauliche Einführungen in diese sehr komplexen Themen. Die Einführung in die objektorientierte Programmierung ist ebenfalls herausragend. Am Ende wird dann das eigentliche Thema des Buches – die Spieleprogrammierung – angeschnitten. Es ist für Einsteiger vielleicht ein großer Sprung von den Grundlagen zur Grafikprogrammierung, aber mit etwas Geduld kommt man mit diesem Buch ein gutes Stück weiter.

Die Sprache des Autors ist – im Vergleich zu vielen anderen Lehrbüchern – unterhaltsam und gut verständlich. Es macht Spaß zu lesen und man merkt das Engagement des Autors. Zusammenfassend: Ein solides Buch für Einsteiger, die die C++ Programmierung lernen möchten. Ambitionen für die Spieleentwicklung sind nicht wirklich nötig.

Drucken mit SAP

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Das Drucken in komplexen Systemen, wie so manchen SAP Landschaften, ist immer eine kleine organisatorische und technische Herausforderung. Michael Szardenings hat versucht das Wissen zu diesem Thema in einem Buch „Drucken mit SAP – Lösungen für die Praxis“ zusammenzufassen.

Im ersten Kapitel findet eine allgemeine Einführung zum Thema statt, die die Workprozesse, die Funktionen des Spool sowie die Einrichtung eines Druckers umfasst. Nach diesem Kapitel sind die wichtigsten Begriffe und Funktionsweisen geklärt und man ist bereit tiefer in die Materie abzutauchen. Im anschließenden Kapitel werden dann die Koppelarten erklärt, mit deren Hilfe Systemlandschaften integriert werden können. Die verschiedenen Koppelarten (OS-Druck, externes Output-Management, Frontend-Druck, Kommandosätze, E-Mail, Gerätepool und Netzwerkdruck) werden erklärt und mit kurzen Beispielen und vielen Screenshots erläutert. Besonders hilfreich für die Auswahl der richtigen Koppelart ist die Übersicht mit den verschiedenen Vor- und Nachteilen. Das dritte Kapitel geht dann sehr speziell auf das Drucken unter Windows ein. Im ersten Teil steht hier SAPSprint. Eine sehr ausführliche Erläuterung dieser Komponente erleichtert das kennenlernen und die erste Anwendung. Ähnlich sieht es im Folgenden mit SAPFprint aus.

Nach diesen sehr technischen ersten Kapiteln geht es im Folgenden weiter mit eher anwendungsorientierten Themen. Zunächst stehen die SAP Interactive Forms by Adobe im Mittelpunkt. Hier gibt es einige druckspezifische Einstellungen zu beachten, die ausführlich erklärt werden. Anschließend wird über die besonderen Anforderungen einer Internationalisierung des Drucks aufgeklärt. Hier werden Zeichensatzspezifika, Sprachkonfigurationen und Geräteeinstellungen besprochen. Es kommen auch an dieser Stelle viele hilfreiche und detaillierte Beschreibungen und Screenshots zum Einsatz. Das dritte anwendungsorientierte Kapitel beschreibt das Drucken von Barcodes. Da dies ein Thema zwischen Hardware und Software ist und sich in den letzten Jahren sehr viel geändert hat, wird es ein wenig technischer.

Dann kommt PAL. PAL ist die Abkürzung für Printing Assistant for Landscapes. Mit diesem Tool kann man die einzelnen Druckerdefinitionen einfach von einem Drucker zu einem anderen übertragen. Auch hier gilt wieder: viele Bilder und gute Schritt-für-Schritt-Erklärungen.  Das letzte Kapitel widmet sich dem wichtigen Thema Berechtigungen im Spool-Umfeld.

Alle die sich mit dem Thema Drucken in SAP, der Formularentwicklung oder der Druckeradministration auseinandersetzen möchten, sollten einen Blick in dieses Buch werfen. Die einzelnen Herausforderungen beim Drucken in SAP werden in diesem Buch detailliert und anschaulich erklärt. Wenn man die Grundbegriffe der SAP Welt versteht, ist dieses Buch ein leicht verständliches Kompendium zu diesem Spezialthema.

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Internet. Segen oder Fluch

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Wieder ein Buch über das Internet. Aber was für eins. Die beiden Autoren Sascha Lobo und Katrin Passig zeichnen sich schon seit Jahren als kluge Beobachter des digitalen Wandels aus. Deshalb war es wenig verwunderlich, dass dieses Buch auf den Markt kam. Interessant ist jedoch, wie unglaublich umfassend und gut es geworden ist.

In den ersten Kapiteln des Buches denken die Autoren grundsätzlich über neue Technologien nach, die auf die vorhandenen Strukturen in der Gesellschaft treffen. Sie schaffen einen historischen Kontext, in den die aktuellen Erkenntnisse über das Internet eingebettet werden können. Hier wird über die allgemeine Technikkritik, die Kritik an Neuem und dem Fortschritt geschrieben. Die anschließenden Kapitel widmen sich dem Menschen im Kontext des Internets. Beschleunigung, Informationsflut und die Meinungsbildung sind Themen, die netzaffine Menschen massiv geprägt haben. Die Autoren verraten, was hier genau abläuft und wie sinnvolle Konzepte für die Zukunft aussehen könnten. In den weiteren Kapiteln wird der Kreis erweitert und es wird ein Blick auf die Gesellschaft und das Internet geworfen. Kollaboration, Demokratie, Kontrolle, Freiheit, Privatsphäre, Soziales und Urheberrecht sind nur einige der Gedankenfelder auf denen sich die Autoren bewegen. Das Internet als eine Infrastruktur für eine gesellschaftliche Revolution bietet hier natürlich unendlich viele Möglichkeiten darüber nachzudenken. Ein tiefer Einblick in den aktuellen Wandel ist garantiert. Ganz zum Schluss gibt es noch einige Worte zur Abhängigkeit der Menschheit und der drohenden Herrschaft der Maschinen. In jedem Fall ein Gedanke, bei dem man länger verweilen kann.

Der große Verdienst dieses Buches besteht in der Einbettung des digitalen Wandels in die Technikgeschichte der Menschheit. Dieses Buch, baut den Kontext auf, in dem alle weiteren Diskussionen stattfinden werden. Leser, die sich für Technik und Gesellschaft interessieren, sollten dieses Buch auf jeden Fall lesen.

Eine kostenlose Ebook-Version kann mit dem Kauf des Print-Buches heruntergeladen werden.

Computernetzwerke

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Die Welt vernetzt sich. Die Infrastruktur, die uns diese Annehmlichkeit zur Verfügung stellt, sind die lokalen und globalen Computernetzwerke. Rüdiger Schreiner hat ein Buch über Computernetze geschrieben, das es wert ist genauer betrachtet zu werden.

Der grundsätzliche Aufbau des Buches unterscheidet sich nicht von anderen Netzwerkbüchern. Nach einer Einführung und der Geschichte der Netzwerktechnik hangelt sich der Autor zunächst am OSI-Modell entlang. Nachdem die grundlegenden Schichten erklärt sind, werden Themen wie WLAN, VLAN, VPN, Funknetze, IPv6, Hardware, Fehleranalyse, Planung, etc. erläutert. Etwas verloren wirken die Kapitel mit den Verständnisfragen und Praxisübungen. Aber gerade für Studenten sind sie eine gute Möglichkeit, um sich auf Prüfungen vorzubereiten. Positiv hervorzugeben sind die Exkurse, die einen kurzen Abstecher in die physikalischen Grundlagen der Netzwerktechnik bieten. Für Leser mit tieferem Interesse eine sinnvolle Bereicherung.

Die Stärke des Buches liegt in seinem Umfang. Alle wichtigen Inhalte der Netzwerktechnik werden angesprochen und dennoch detailliert behandelt. Schön ist, dass der Autor einen leicht verständlichen und sehr unterhaltenden Schreibstil besitzt. Die einzelnen Themen werden zum einen verständlich erklärt und bis ins Detail vertieft. Neben den theoretischen Erläuterungen wurde dieses Buch mit sehr viel Bezug zur Praxis geschrieben. Man wird hier nicht mit theoretischen Konzepten alleine gelassen. Es ist ein Top-Lehrbuch, das sich für Einsteiger und Netzwerker, die das eine oder andere Thema vertiefen möchten, lohnt.

Man merkt, dass der Autor sehr engagiert bei der Sache ist und das Thema mit großer Leidenschaft behandelt. Die vielen Abbildungen sowie die sehr ansprechende Sprache runden das positive Bild von diesem Buch ab.

Gunter Dueck – Das Neue und seine Feinde

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„Wie Ideen verhindert werden und sich trotzdem durchsetzen.“

Das beste Buch, das bisher zum Thema Innovationen geschrieben wurde. Hier hat sich niemand einfach nur in die Studierstube zurückgezogen und sich Gedanken zum Thema Innovationen gemacht. Hier berichtet jemand mit vielen Jahren Erfahrung beim um(bzw. durch)setzen von neuen Ideen. Oft spürt man die Verzweiflung des Autors wenn er aus der Vergangenheit berichtet und oft wir man von dessen Enthusiasmus mitgerissen.

Das Buch beginnt ganz klassisch mit ein wenig Theorie. Der Autor erklärt, wo das Problem mit den Innovationen genau liegt. Wo sind die Hürden, die eine Idee auf dem Weg zur Innovation nehmen muss? Zum einen werden die Hindernisse aus der Umwelt erläutert und zum anderen die persönlichen Eigenschaften des Ideengebers, die dem Erfolg der Idee im Wege stehen. Besonders spannend sind die Ausführungen zum Immunsystem eines Unternehmens, mit denen eine Innovation innerhalb einer Organisation mit bestehenden Strukturen besonders zu kämpfen hat. Wer die alltäglichen Betriebsgewohnheiten stört, provoziert eine Immunreaktion, die das Ende des Neuen bedeuten kann. Ein sehr interessanter Gedanke, der mit Beispielen lebendig erklärt wird.

Der zweite Teil des Buches offenbart weitere Hindernisse. Welche Ansichten und persönlichen Eigenschaften verhindern oder fördern die Durchsetzung von Ideen? Es werden die Probleme, die sich aus der eigenen Perspektive, zum Beispiel als Wissenschaftler, Vertriebler, Mitarbeiter oder Manager, und dem fehlenden Vermögen die Perspektive der anderen zu verstehen, beschrieben.

Was passiert, wenn etwas Neues auf bestehende Strukturen trifft? Gunter Dueck analysiert dieses Aufeinandertreffen von Neuem und Bestehendem und kann mit vielen anschaulichen Beispielen aus seinem Berufsleben aufwarten. Teilweise sind es sehr eindrucksvolle und erinnerungswürdige Geschichten, wie sich ein Innovator innerhalb eines Unternehmens verhalten sollte, verhalten muss. Unter dem Begriff Denkbabylon fasst der Autor die verschiedenen psychologischen Besonderheiten der an der Innovation beteiligten Personen zusammen. Dieser Gesamtkomplex an Perspektiven ist in dieser Form wohl noch nicht beschrieben worden und die Kenntnis davon kann für Innovatoren den Unterschied zwischen Erfolg und Frustration ausmachen.

Im dritten Teil macht Dueck einige Vorschläge, wie man als Innovator weiter kommt. Es sind ausdrücklich keine Schritt-für-Schritt-Anleitungen zum Erfolg. Jedem sollte bewusst sein, dass es so was nicht gibt. Die beschrieben Methode der agilen Innovation erlaubt es allen Beteiligen, sich flexibel im Neuland bewegen zu können. Mit den Vorschlägen zur Pre-Innovation können Menschen, die Neues in die Welt bringen möchten, ihre Karriere bereits frühzeitig darauf vorbereiten. Wenn man dann soweit ist, muss man sich noch Chancen erarbeiten und diese beim Schopf packen. Auch hierzu gibt es Tipps.

Ich weiß nicht, wem man dieses Buch empfehlen soll. Es sollte eigentlich jeder lesen, der Ideen hat, die zu schade sind, um nur Ideen zu bleiben. Teilweise entmutigt das Buch ein wenig, aber so ist die Realität. Auf der anderen Seite macht das Buch Hoffnung, dass man mit der richtigen Strategie und einer großen Portion Willen trotzdem so manchen Erfolg haben kann.

SAP HANA – An Introduction

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Ich kann mich nicht erinnern, dass jemals um ein SAP Produkt so ein Hype gemacht wurde wie um SAP HANA. Und dabei machen die Walldorfer gerne einen Hype um neue Produkte. Die Bedeutung von HANA  als Produkt ist im Moment noch nicht so richtig absehbar, aber es ist zumindest kein Fehler sich im Detail mit dieser Technologie auseinanderzusetzen. Von SAP Press ist ein entsprechendes Buch erschienen, dass dem Anwender die ersten Schritte in der neuen HANA-Welt erleichtern soll – SAP HANA – An Introduction von Bjarne Berg und Penny Silvia.

Das Buch versucht zunächst das Produkt HANA in den Gesamtkontext einzuordnen. Big Data, die Probleme im Business mit den Daten, In-Memory-Computing und neue Formen der Analytics werden erklärt und HANA in diese neuen Business-Trends eingeordnet. In diesem ersten Teil scheint der SAP Vertrieb die eine oder andere Erklärung geliefert zu haben. SAP HANA wird hier als zentrale Lösung vieler vorhandener Probleme angepriesen. Ob das Produkt das halten kann, wird sich jedoch erst mit weiterer Verbreitung feststellen lassen.

Die beiden Hauptversionen von HANA – Standalone und HANA for SAP Netweaver BW – werden erklärt und konkretisiert. Danach weiß der Leser, was er von diesen Versionen erwarten kann und in welche Richtung er sich orientieren muss. Leider gibt es keine Übersicht über die verschiedenen Lizenzmodelle rund um die HANA. Das liegt aber nicht am Buch, sondern eher an der Volatilität, die die SAP in diesem Bereich an den Tag legt. Ich weiß nicht, wie oft ich schon den Satz: „Da muss ich beim Pricing-Team nachfragen“ bei Fragen zum HANA an SAP Vertriebler gehört habe. Diese Schwäche sei dem Buch also verziehen.

Einer besonders spannenden Frage wird zum Glück viel Platz eingeräumt. Wie verändert SAP HANA meine Business-Strategie? Für Entscheider, die mit dem Gedanken diese Technologie zu kaufen spielen, sollten mindestens dieses Kapitel lesen.

Im letzten Teil des Buches wird es dann konkret. Es werden die verschiedenen Produkte  rund um HANA und BO vorgestellt, die Installation und Administration beschrieben sowie einzelne Anwendungsbeispiele Schritt-für-Schritt durchgeführt. Die Funktionalitäten und Konzepte hinter dem SAP HANA Studio werden erläutert und an Beispielen veranschaulicht. Da ich während des Lesens zufällig eine SAP HANA im Zugriff hatte, konnte ich mir das auch im Detail anschauen. Anwender, die noch nie mit einer Eclipse-Palttform gearbeitet haben, werden die Anleitungen vielleicht etwas verwirrend finden. Als versierter Nutzer, sollte man gut zurechtkommen.

Das Buch ist gut. Als Einstieg in das Thema SAP HANA ist es zu empfehlen. Es ist in einfach verständlichem Englisch geschrieben und liest sich flüssig.  Ein Zugriff auf eine HANA Installation ist dem Verständnis der praktischen Kapitel förderlich.

Autoren: Bjarne Berg, Penny Silvia
Verlag: SAP Press (Galileo Computing)
Erscheinungsjahr: 2. Auflage – 2013
ISBN: 978-1-59229-865-5
Preis: 69,95 €

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